Eppli die Weisen – Die Pelzparabel

 

Eppli-Zeitungsanzeige

 

Es war einmal eine Unternehmerfamilie, die verdiente mit dem Verkauf von Antiquitäten viel Geld. Da kam sie nach langem Überlegen zu dem Schluss, dass sie noch mehr Geld verdienen könnte, wenn sie neben vielerlei anderer erlesener Dinge auch Pelzmäntel verkaufen würde. Doch welch ein Kopf- und Herzzerbrechen! Pelz stammt bekanntlich von Tieren, die eigens getötet werden, um ihnen das Fell über die Ohren und dieses dann reichen Damen und Herren anzuziehen. Und die Unternehmerfamilie ist ja – das kann sie nicht genug betonen – unendlich tierlieb und könnte keinem Nerz auch nur ein Härchen krümmen. Doch welch ein Jubel, als ihnen die Lösung erschien: Wir verkaufen Pelze „aus Privatbesitz“, da wurde das dreckige Geschäft ja bereits von Kürschnergehilfen lang vor unserer Zeit erledigt!

So warben sie denn in die Welt hinaus, dass Tierschutz und Pelz vereinbar seien. Man müsse nur bei Eppli Pelze aus Privatbesitz kaufen.

 

So kamen die Damen und Herren von nah und fern, um Pelztieren ihr Leben zu retten, indem sie die Haut von Pelztieren tragen, deren Leben nicht mehr zu retten ist.

Aber ach… die Welt ist schlecht… Und so trug es sich zu, dass die Damen und Herren so unsagbar gut aussahen in ihren tierschutzgerechten Pelzen, dass ihre ebenso eitlen Bekannten bis aufs Blut eifersüchtig wurden und nichts lieber wollten, als ebenso gut und strahlend reich auszusehen. So gingen sie zu den Pelzhändlern ihres Vertrauens (zu denen, die nur Pelze von veterinärmedizinisch wohlbetreuten, leidfrei überfahrenen Tieren aus Überpopulationen im Zoo verkaufen) und erstanden flugs üppige Pelzmäntel. Was für eine Freude das war, jetzt auch so unsagbar schön daherzuflanieren und den Wohlstand zu aller Augen Schau zu tragen! Und das Beste daran, so dachten die eitlen Bekannten, unsere Pelze, die sind neu. Und damit fühlten sie sich noch um so vieles schöner als die Eppli-Pelz-Träger.

 

Doch eines wussten sie nicht: Das gemeine Volk, das voller Neid und Bewunderung zu den schönen reichen Pelzträgern aufblickte und von denen so manche Hausfrau und so mancher junge Kerl, der gern neureich werden wollte, zum Billigladen ihres Vertrauens schritten, um sich zumindest eine Kapuze mit Echtfellbesatz zu kaufen – dieses gemeine Volk kannte den Unterschied zwischen Tierschutz-Pelz und Tiernutz-Pelz nicht.

Ja und wie die Jahre so ins Land gingen und die große Pelzmode-Welle alle Beauty-Magazine, Schaufenster und die unbedarften trendfrommen Mädchen- und Jungenherzen ergriff, da wusste gar niemand mehr und kein noch so ausgefuchster Pelzkenner hätte Richter darüber sein können, welcher Pelz tierschutzgerecht war und welcher nicht. So waren alle Pelzträger gleich stolz und schön und die reiche Unternehmerfamilie war mit glänzend gutem Gewissen noch ein wenig reicher geworden. So wendete sich alles zum Guten – außer für die Pelztiere, die, ganz gleich, ob sie gestern oder vorgestern gestorben sind, heute alle nicht mehr leben.