Pro-Pelz-Argumente und Persönlichkeitstypen

Manchmal kommt man mit einer Pelzträgerin ins Gespräch. Dann hört man so manche Ausflüchte, warum es doch gar nicht so schlimm ist, Pelz zu tragen. Die Ausreden sind dabei so austauschbar falsch wie die Charaktere derjenigen, die sie vorbingen und zeugen von purer Uninformiertheit bis hin zu reiner Gewissenlosigkeit.

Die Argumente fallen nicht vom Himmel: zum Teil werden sie gezielt von der Pelzindustrielobby gesät. Hier finden Sie die häufigsten Behauptungen – und werden sehen: keine hält einer Prüfung stand. Zugleich offenbaren die gewählten Ausflüchte eine Menge über die Pelzträgerin, die sie vorbringt.

Die (außerordentlich) Naive:

Pelzträgerinnen, die schon mal etwas von der Grausamkeit der Pelzmode gehört haben, aber das Accessoire doch einfach gerne tragen wollen, ziehen sich oft hinter das Sätzchen „Als ich den Pelz gekauft habe, war das Tier ja schon tot!“ zurück.

Fuchs Käfigblick

Bewertung: Einfältiger kann man nicht argumentieren. Wo der Kauf eines Pelzprodukts eine Lücke im Angebot schafft, liefert die Pelzindustrie gleich nach: Ein weiteres Tier, je nach Größe des Schals, Täschchens oder Mantels gleich mehrere müssen sterben. Deshalb ist auch die naive Pelzkundin unmittelbar Schuld an der Auslöschung eines individuellen Tierlebens.

 

Die (besonders) Gewissenlose:

Gerade bei denjenigen PelzträgerInnen, die ganz gezielt Pelzprodukte kaufen, hört man als Antwort auf den Hinweis, dass dafür Tiere erbärmlich leiden mussten: „Das interessiert mich nicht…“ worauf sie gleich weiterstolziert oder angestrengt in eine andere Richtung guckt.

Pelzmantelfrau

Bewertung: Hier haben wir den klaren Fall einer so beeindruckenden wie verdammungswürdigen menschlichen Fähigkeit vorliegen: die Fähigkeit zu verdrängen. Zugleich offenbart sie damit eine tiefe innere Zerrissenheit: einerseits weiß sie sehr wohl um die Hintergründe der Pelzmode, andererseits darf sie diese nicht gelten lassen, um ihre Eitelkeit ausleben zu können. Die Gewissenlose ist ganz offenbar bereit und fähig, für ihre äußere Erscheinung und den Geltungsdrang auch ihrer oberflächlichsten Bedürfnisse über Leichen zu gehen und die dabei entstehenden Skrupel mit einem Augenaufschlag wegzuwischen.

 

Die (trügerische) Wohltäterin:

Wenn die Pelzträgerin einem der Lieblingsmärchen der Pelzindustrie auf den Leim gegangen ist, reagiert sie womöglich wie folgt, wenn man Sie mit der grausamen Geschichte ihres Fuchspelzes konfrontiert: „Aber es gibt ja sowieso zu viele Füchse, wenn die schon geschossen werden, kann man ihren Pelz ja auch tragen. Außerdem ist Echtpelz viel umweltfreundlicher als Kunstpelz!“

Bewertung: Ganz davon abgesehen, dass man sich ja nicht notwendigerweise zum Profiteur eines Mordes machen muss, wäre das Überpopulations-Argument fast stichhaltig – wenn die Argumentationsgrundlage denn stimmen würde. Die Behauptung aber, es gebe sowieso zu viele Füchse, die ganz nach Waidmannskunst erlegt und dann zu Pelz verarbeitet werden, ist gleich dreifach FALSCH.

erjagte Füchse

1. Es gibt keine Überpopulation an Füchsen. Da der Fuchs am Ende der Nahrungskette steht, ist die Anzahl von Füchsen von der Anzahl ihrer Beutetiere abhängig. Die Natur findet hier ganz von selbst ein Gleichgewicht. Jagd aber bewirkt genau das Gegenteil: Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Zahl der Füchse bei Bejagung längerfristig sogar steigt. Die meisten erjagten Füchse werden einfach als Müll entsorgt – getötet, um weggeworfen zu werden.

 

Dachs

2. Wildtiere werden nicht etwa schnell und einigermaßen schmerzlos per Schrotflintenschuss erlegt – zumindest nicht diejenigen, die zu Pelz verarbeitet werden. Denn bei einem Schrotschuss wird der Pelz beschädigt und lässt sich nicht mehr verarbeiten. Diejenigen wenigen wildlebenden Tiere, die nach ihrem gewaltsamen Tot tatsächlich zu Pelzmode verarbeitet werden, wurden in Fallen gefangen und erleben oftmals einen langen, unsagbar schmerzvollen Todeskampf.

Füchse hinter Gitter

3. Nur etwa 15% der Fuchspelze, die zu Pelzmode werden, stammen aus Wildfang. Die überwiegende Mehrzahl kommen aus Farmhaltung. Welche Qualen diese Tiere hinter sich haben – davon erzählt Rudolf Rotpelzchens Geschichte.

 

Diejenige Pelzträgerin, die sich mit der Berufung auf „notwendige Jagd“ aus der Verantwortung stehlen will, offenbart also ein ganz erhebliches Maß an Ignoranz. Dass sie den Lügenmärchen der Pelzindustrie glauben will und kann, ist indes fast zu verstehen: die Wahrheit ist ja wirklich zu schrecklich, um wahr zu sein!

Und der -falschen- Behaptung dass Pelz umweltfreundlich sei, haben wir einen eigenen Beitrag gewidmet.

Die (lügende) Belogene:

Eine weitere Lügengeschichte, die die Pelzindustrie gerne säht, vor allem zur Imagepflege, zum anderen auch zur Gewissensberuhigung für die Kundinnen, hört man zuweilen auch von diesen: „Pelztierhaltung ist ein Zweig der Landwirtschaft, zwischen der Haltung und Nutzung von Pelztieren und der von anderen Nutztieren gibt es also keinen Unterschied“.

Fur Cap

Bewertung: Auch mit der Behauptung, Pelztierhaltung sei Landwirtschaft, die man u.a. auch auf der Homepage der Pelzlobby findet, lügt diese schamlos. Rechtlich gehört Pelztierhaltung ausdrücklich NICHT zum Bereich der Landwirtschaft. Dies ist deshalb sehr wichtig, da so bei einer Pelzfarm u.a. gravierende Rechtsunterschiede im Vergleich zu einem Bauernhof bestehen. Moralisch betrachtet ist es natürlich auch ein Unterschied, ob man ein Tier tötet, um es zu essen oder um sich mit einem Teil seines Leichnams zu schmücken, während der andere Teil einfach weggeschmissen wird. Das kann selbst das überzeugteste Opfer der Pelzlobby-Lügen nicht bestreiten. [Konsequente Tierschützer werden einwenden, dass angesichts des Angebots wunderbar leckerer Sojaprodukte heute ebenfalls keine Notwendigkeit besteht, Tiere zum Verzehr zu töten. Das ist richtig. ABER in der hier geführten Argumentation kommt es in erster Linie darauf an, was DIE PELZTRÄGERIN denkt.]

Die (Pseudo-)Wissenschaftliche:

Eine der abstrusesten Erklärungen dafür, warum Pelztragen nicht so verwerflich ist, wie wir Tierschützer immer behaupten, ist anscheinend noch nicht dämlich genug, um nicht von Pelzträgerinnen geglaubt zu werden: „Für Pelze werden die kranken und schwachen Tiere genommen, die Gesundheit der jeweiligen Art wird also dadurch gefördert.“

Mink Käfige

Bewertung: Dass es absoluter Unsinn ist, dass sich Pelzhändler um die Gesunderhaltung von Wildtierarten verdient machen, braucht sicher nicht besonders betont zu werden (zur Wahrheit hinter den Lügen siehe die bisherigen Ausführungen). Wäre die dadurch offenbarte Leichtgläubigkeit der Pelzträgerinnen, die die Pelzindustrie sofort schamlos ausnutzt, nicht so erschreckend, wäre sie fast lustig.

Die (Un-)Weitsichtige:

Eine hingegen recht stichhaltige Entgegnung mancher Pelzträgerinnen ist die folgende: „Pelz als Bekleidung zu benutzen ist nicht mehr oder weniger verwerflich als Leder zu benutzen. Wenn man Pelz verbieten will, muss man auch Leder verbieten.“

Rinderblick

Bewertung: Pelz wie Leder sind die Häute von Tieren, die dafür sterben mussten. Das ist richtig. Richtig ist auch, dass Teile des Leders, das für die Bekleidung verwendet wird, von Tieren stammen, die extra dafür getötet werden, das heißt, die nicht sowieso zum Fleischgewinn geschlachtet worden wären. Hier besteht also in der Tat überhaupt kein Unterschied zum Pelz. Diejenigen Tiere, die zur Fleischproduktion geschlachtet werden und deren Leder zusätzlich genutzt wird, hatten ähnlich wie die Pelztiere ein erbärmliches Leben und einen furchtbaren Tod. Durch den Verkauf des Leders erzielen die Henker der Tiere um die 30% ihres Gewinns.

Schwarzer Mink

Insofern hat die Pelzträgerin Recht, hier konsequentes Verhalten vom Pelzgegner einzufordern. Aber ihre Schlussfolgerung ist falsch: Nicht etwa muss man Pelz erlauben, weil man auch Leder erlaubt – sondern Leder aus Garderobe und Geschäften verbannen, weil man Pelz verbannt. Zum Trost derjenigen, die sich fragen, was man denn dann überhaupt noch tragen kann, sei gesagt, dass es hervorragende, qualitative wie ästhetisch hochwertige Alternativen auch zu Lederprodukten gibt (z.B. www.veggishoes.de).

Die (nutznießende) Mitläuferin:

Diejenige Entgegnung, die bei allen anderen mitschwingt, die am schwersten zu widerlegen ist und viele Anti-Pelz-Aktivisten am meisten entmutigt, ist diese: „Was bringt es denn, wenn gerade ich keinen Pelz trage, die Tiere werden ja trotzdem getötet. Ich allein kann doch nichts ändern.“

Fuchs Blutschnauze

Bewertung: Dies ist das Grundproblem jedes Wandels: Der Einzelne glaubt sich klein und schwach. Auch ein Tierfreund, der sich gegen Pelztierleid engagieren will, hat mit dem Gefühl zu kämpfen, allein doch gar nichts ausrichten zu können. Aber das Gefühl trügt. Ein einzelner Mensch kann mit seinem Tun oder Unterlassen eine enorme Strahlkraft haben.

Stellen Sie sich eine charismatische Dame vor, die einen hochwertigen Kunstpelzmantel trägt: Sie läuft Schau für tierfreundliche Mode. Trägt sie Pelz, wirkt ihr Vorbild zerstörerisch. Jeder Einzelne, der im alltäglichen Moloch der Tierausbeutung mitmacht, trägt dazu bei, dass dieser weiterbestehen kann und fördert in seinen Mitmenschen das Gefühl, dass es keine Alternative gibt.

Allerleirau

Stellen Sie sich dagegen einen Tierrechts-Aktivisten vor, der ohne belehrendes Predigen durch pure Beispielgabe zeigt, dass Rücksichtnahme auf die Mitgeschöpfe und Verantwortung gegenüber der Mitwelt nicht in eine dröge Existenz zwischen ungenießbarem Körner-Fraß und traurigem Streiten mündet, sondern ein „durchschnittliches“ Leben an Lebenslust und Entfaltungsfreude sogar übertreffen kann: weil man weiß, dass man nicht auf Kosten anderer lebt.

 

Ein Strand ist ohne die einzelnen Sandkörner nichts, ein langer Weg kann ohne jeden einzelnen Schritt nicht bewältigt werden – und die Pelzindustrie geht zugrunde, wenn jede einzelne Kundin den Pelz aus gutem Grunde liegen lässt.