Rudolfs Geschichte - Fortsetzung

Rudolf im Käfig

Rudolf in einen Käfig von 12 Quadratmeter Grundfläche und 1,5m Höhe gesperrt, zusammen mit vier weiteren Leidensgenossen.

Silberfuchs mit Käfigblick (c) PeTA

Rudolf wäre seiner Natur nach gern alleine unterwegs oder suchte sich eine Partnerin. Allnächtlich durchstreifte er ein großes Revier - nun aber muss er auf dieser Fläche leben, die 500.000 mal kleiner ist als sein natürliches Streifgebiet, in ständiger Sicht-, Hör- und Riechweite hunderter Artgenossen in den umliegenden Käfigen.

Rudolf liegt

Laufen und springen wird Rudolf nie. An artgerechtes Jagen ist natürlich ebenfalls nicht zu denken, noch nicht einmal an ein ordentliches Stück Fleisch. Rudolf erhält einen Nahrungsbrei, der auf das Gitter seines Käfigs geklatscht wird und den er durch das Gitter auflecken muss. Diese Nahrung ist in erster Linie auf die Entwicklung des Pelzes ausgerichtet, so dass Rudolf wie viele seiner Artgenossen Mangelerscheinungen bekommt.

Im Winter muss Rudolf frieren, denn der Wind pfeift ungehindert durch den Käfig. Erfrierungen sind bei vielen seiner Artgenossen. Im Sommer wiederum sieht er viele an Überhitzung sterben, denn im Käfig kann man sich kein kühles Loch scharren oder sich bis zur Abendkühle im Unterholz verkriechen. Insgesamt sterben 10% der Pelztiere an witterungsbedingten Schäden.

Rudolf verletzt

Doch Rudolf weiß nicht, wie wunderbar sein Fuchsleben in Freiheit wäre. Er merkt nur, dass es ihm schlecht geht und dass ihm vieles, was die Natur ihn zu tun und zu wollen veranlasst: Graben, jagen, sich zurückziehen, nagen, spielen, ausgelassen laufen, unmöglich ist.

Deshalb entwickelt auch er, wie 80% seiner Art- und Leidensgenossen, schwere Verhaltensstörungen. Er springt in endloser Folge von rechts nach links am Gitter entlang, läuft hundert Mal am Tag die Abmessungen seines Käfigs entlang, und schließlich beginnt er, an seiner Pfote zu nagen. Sie hat sich, wund vom Laufen auf dem Gitter, entzündet, da leckte und nagte und leckte er und dringt bis auf Blut.

Mehr als 20% der Tiere auf Pelztierfarmen verstümmeln sich selbst oder Käfiggenossen oder werden sogar zu Kannibalen: ein Verhalten, das in freier Natur so gut wie nie vorkommt.

Insgesamt sterben 20% von Rudolfs Schwestern und Brüdern, bevor sie die Schlachtreife erreichen. Bei Nerzen sind es 17%, bei Chinchillas sind es bis zu 50%.

Arktischer Fuchs im Käfig

Mitte November neigt sich das elendes Leben unseres Rotpelzchens dem gewaltsamen Ende. Im Frühjahr geboren, erfolgt die Schlachtung, auf Pelzzüchterdeutsch „die Ernte“, der Tiere im Herbst.  Rudolf ist „reif“, wie es in der Sprache der Pelztierzüchter heißt. Er ist zu diesem Zeitpunkt 7 Monate alt.

Rudolf verletzt

Zu Betäubung und Tötung kann der Pelztierzüchter, da er ja das Fell nicht verletzen will, nur ganz wenige Methoden verwenden. Die Tötungsmethode richtet sich nach der Tierart und ist für Pelztiere (über die Festlegung zulässiger Betäubungsmethoden hinaus) nicht geregelt.

So werden Pelztiere vergiftet oder vergast (v.a. Nerze), wobei der Todskampf nicht selten bis zu 10 Minuten dauern kann.

skinned carcass

Bei Rudolf, wie bei den meisten Füchsen, erfolgt die Tötung durch die sog. „Elektrokution“: das Einführen einer Elektrode in After und Maul. Rudolf wird gezwungen, auf eine Elektrode zu beißen, an die dann Strom angelegt wird. Nachdem er gewaltsam mit einer Zange aus dem Käfig gegriffen wurde, endet Rudolfs Leben so durch einen 10 Sekunden dauernden  Stromstoß.

Der Dame, die sein Fell später tragen wird, wird sein Martyrium mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit unbekannt sein und bleiben.

Fuchs Blutschnauze
Pelztussi