Das ist Rudolf

Rotpelzchen Rudolf

Das Rotpelzchen ist ein Fuchs. An seinem Leben können wir beispielhaft dem Leben und Leiden eines Pelztiers ins Auge blicken. Geboren wird Rudolf mit seinen sieben Geschwistern in einer kleinen Wurfbox, in der Nutztierverordnung liebevoll „Nestkasten“ genannt, in einem Käfig einer fiktiven Pelztierfarm in Deutschland an einem Tag im April.

Rudolfs Mutter hat da schon ein Martyrium hinter sich. Schwanger zu werden, das schönste Glück für jedes Weibchen, ist auf einer Pelztierfarm eine Qual. In freier Natur führen verliebte Füchse eine lange, liebevolle Balz, bevor sie sich paaren. Nicht so auf der Pelztierfarm: Hier werden Fuchs und Fähe einander unbekannt in einen Käfig gesperrt, bis es unter großem Stress zur Deckung kommt.

 

Käfigblick (c) PeTA

Rudolfs Mutter durchleidet die Trächtigkeit, während der auf Pelzfarmen viele Füchsinnen sterben, weil sie sich nicht ausreichend bewegen können und vor allem nicht in den Schatten fliehen können, wenn ihnen heiß ist oder sich ausreichend wärmen können, wenn ihnen kalt ist . Denn aus den wenigen Quadratmetern des Käfigs gibt es kein Entrinnen. Kreislaufschäden, Überhitzung und Erfrierungen sind die Folge. 

Rudolf mit Geschwistern

Drei von Rudolfs Geschwistern sterben bereits als kleine Welpen. Damit hat Rudolfs Mutter noch Glück gehabt: Viele Pelztierfähen, Füchse, Nerze und andere Tierarten gleichermaßen, erleiden Fehlgeburten, weil sie schweren Stress leiden. Obwohl Rudolfs Mutter durch eine Infektion, die sie sich während der Geburt zugezogen hat, völlig geschwächt ist, kümmert sie sich liebevoll um ihre verbleibenden Welpen.

Viele andere Füchsinnen zeigen dagegen eine auf Pelzfarmen nicht selten auftretende Verhaltensstörung: Sie fressen ihre eigenen Welpen auf. Das unaufhörliche Leid hat sie förmlich in den Wahnsinn getrieben.

Rudolf steht

Das erste, was Rudolf von der Welt erfährt, als er den Nestkasten verlässt, ist das kalte Gitter, das für seine kleinen Pfoten viel zu grobmaschig ist, so dass er oft hindurch zu rutschen droht.

Tierfarm

Außerdem der unglaubliche Gestank, denn der Kot der Tiere fällt durch die Gitter auf den Boden darunter. Saubergemacht wird selten einmal pro Woche, so dass die geruchssensiblen Nasen von Rudolf und seinen Artgenossen, die in freier Wildbahn peinlich genau darauf achten, ihren Kot fern des eigenen Baus abzusetzen, Tag ein Tag aus den beißenden Gestank aushalten müssen, der selbst für uns stumpfnasige Menschen bis auf mehrere hundert Meter um eine Pelzfarm herum beeinträchtigend ist.

Rudolf

Neun Wochen nach der Geburt erfolgt das sog. „Absetzen“: Rudolf wird seiner Mutter weggenommen, nur sieben Wochen, nachdem er seine Augen geöffnet hat und nur drei Wochen nach Ende des Säugens, mitten in der sensiblen Phase seiner Sozialentwicklung. In freier Wildbahn würde er nonch lange, vom Frühjahr bis zum Herbst, bei ihrer Mutter bleiben, um alles zu lernen, was man als Fuchs wissen muss.

Für die Füchsin wie für die Welpen ist die Trennung weit vor der „biologischen Zeit“ zutiefst verstörend. Füchse sind sozial hochentwickelt und bilden enge Bindungen aus, oft bleiben Familien über mehrere Jahre als Rudel beieinander.

Im nächsten Jahr wartet das gleiche Schicksal erneut auf Rudolfs Mutter.

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